M.Sommer, Zu Gast bei FreundInnen
Runde Geburtstage sind besondere Festtage: Kulinarische Köstlichkeiten, bekannte Gesichter, ein umfassendes Unterhaltungsprogramm und gute Stimmung, sind zumeist Garanten für eine gelungene Feier.
Oslo, Mai 2009. Auch ich habe mich unter dem Pseudonym Moritz Wiesengart auf den Weg gemacht: Neun Monate ist es her, als ich Abschied nahm und meinen Freiwilligendienst im Kindergarten der jüdischen Gemeinde Oslo beendete. Ein komisches Gefühl: Dieselben Wege durch die Innenstadt schlendernd, an der jüdischen Gemeinde und meinem alten Wohnhaus vorbei, auf dem Weg zur Eröffnungsveranstaltung.
Alle sind gekommen: Christian Staffa, Ruth Misselwitz, Jens Pohl, Freiwillige aus 50 Jahren ASF-Geschichte. Besonders freue ich mich auf ein Wiedersehen: Meinen ehemaligen Mitfreiwilligen aus Oslo zu überraschen und nach langer Zeit wieder in die Arme zu schließen. Zufrieden und melancholisch stellen wir fest, dass bei ASF in Norwegen alles ohne uns weitergeht. Es ist eine große Freude die aktuellen Freiwilligen kennen zu lernen und zu sehen, wie sie sich, teilweise völlig anders als man selbst, mit vollem Enthusiasmus in ihre Arbeit stürzen.
Schon zu Beginn des Jubiläums wird deutlich: Die Präsenz von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Norwegen ist mehr als ein Zeichen. Wir nehmen hier einen festen Platz ein und das Jubiläum ist eingebettet in eine Reihe von Veranstaltungen. Das norwegische Filminstitut zeigt die norwegisch-deutsche Produktion „Der Pakt“. Das Goethe Institut organisiert eine Veranstaltung zum Thema „tyske jenter“, den “Deutschenkinder”, welche lange Zeit unter der norwegischen Regierung zu leiden hatten. Auch auf die deutsche Gemeinde ist Verlass. Für ASF Freiwillige gibt es hier immer einen Schlafplatz.
Einer der Höhepunkte des Jubiläums ist eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Holocaustcenter: Wir nehmen an einen Workshop zum Thema Erinnerungsdiskurs und interkulturellem Dialog aus norwegischer Perspektive teil. Seit der Eröffnung des Holocaustcenters im Jahr 2002 ist dies ein fester Programmpunkt jedes Norwegenfreiwilligen.
Neben den offiziellen Programmpunkten kommt auch das Feiern nicht zu kurz. Die offizielle Festveranstaltung wird vom Freundeskreis der ASF organisiert. Seit 1993 gibt es einen norwegischen Verein, welcher die Arbeit von ASF unterstützt. Außerdem werden wir zu einem Umtrunk beim Deutschen Botschafter eingeladen. Den Abschluss der Feierlichkeiten bildet ein mindestens ebenwürdiger Geburtstag: 17. Mai – Nationalfeiertag Norwegens. Hier feiern alle gemeinsam: ASF und Norwegen, ASF in Norwegen. Um bei den Eingangsindikatoren einer gelungenen Party zu bleiben: Es gab gutes Essen, viele bekannte Gesichter und auch an Wein hat es nicht gefehlt.
Ausgezeichnet hat diesen Geburtstag jedoch etwas anderes: Egal ob im Gespräch mit den aktuellen Freiwilligen, den Freiwilligen aus 50 Jahren ASF, ob mit Christian Staffa in der Stammkneipe, oder beim Grillfest der Aktion Sühnezeichen im Garten der Länderbeauftragten: Man hatte das Gefühl unter Vertrauten – unter Freunden zu sein. Menschen, die für Ideale einstehen, eine Idee verfolgen.
Auch wenn mir bewusst ist, dass wir nicht jedes Jahr Geburtstag feiern können und dass sich die regionale Vernetzung von Freiwilligen häufig schwierig umsetzen lässt: Gerade hier sollten wir in Zukunft starke Impulse setzen. In der Begegnung nach außen, aber auch untereinander. In der Überzeugung, dass ASF mehr ist als 12 Monate Freiwilligendienst, nämlich eine Gemeinschaft, welche in den 50 Jahren Aufbau viele besondere Akzente setzen konnte.
Danke, dass mir das Privileg zu teil wurde, dabei gewesen und Teil dieser Gemeinschaft sein zu dürfen. Einen besonderen Dank an Veline Backofen für die Aktion Sühnezeichen in Norwegen ebenso Berufung wie Beruf darstellt und die zusammen mit Jens Pohl, 50 Freiwilligengenerationen und vielen anderen das ist, was ASF in Norwegen ausgemacht hat, ausmacht und auch in Zukunft ausmachen wird.
Ich freue mich auf das Jahr 2059.
Matthias Sommer